Unser Besuch bei Crufts 2002

 

Bericht
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Donnerstag, 7. März 2002, 3.00 Uhr morgens
Der Wecker klingelt.
Anders als an anderen Tagen, an denen vom ersten Weckersignal bis zum Aufstehen auch schon einmal eine halbe Stunde und mehr vergehen kann, trauen wir uns nicht, uns noch einmal umzudrehen. Unser Albtraum seit Tagen ist, dass wir heute verschlafen und das Flugzeug verpassen. 
Die Planungen unseres Besuchs von Crufts in Birmingham, der berühmtesten Hundeausstellung der Welt (Eigenwerbung: "The best of the very best") haben bereits im Dezember begonnen, war dieser Ausflug doch ein Weihnachtsgeschenk für Birgit. 
Dank Internet hielten wir bereits im Januar die Eintrittskarten in Händen ebenso wie das Flugticket, die Mietwagen- und die Hotelreservierung. Auch Straßenkarten mit Wegebeschreibung und Ausstellungsprogramm hatten wir uns bereits vor Wochen ausgedruckt.
Die beiden Tage mit "unseren" Rassen - den Old English Sheepdogs und den Irish Wolfhounds - finden gleich zu Beginn der 4-tägigen Ausstellung statt, die OES am Donnerstag in der Pastoral Group und die Wolfhounds am Freitag in der Hound Group.
Also alles im grünen Bereich, wenn da nicht diese Angst vor dem Verschlafen und dem Linksverkehr in England wäre.

Donnerstag, 7. März 2002, 5.50 Uhr morgens
Wir erreichen den Flugplatz Hahn im Hunsrück.
Von diesem kleinen Flughafen mitten in der Provinz, knapp 100 km von uns entfernt, fliegen seit einigen Jahren die Flugzeuge von Ryanair zu unschlagbar günstigen Preisen u.a. den Flughafen Stansted nordöstlich von London an. Ein Direktflug nach Birmingham, wie er z.B. von Düsseldorf aus angeboten wird, wäre ungleich teurer gewesen, selbst wenn man die Mietwagen- und Benzinkosten oder alternativ Kosten von Bahnkarten hinzurechnet.

Donnerstag, 7. März 2002, 6.55 Uhr morgens
Die Boeing 737-800 startet pünktlich. Es ist regnerisch und windig beim Start, aber oberhalb der Wolkendecke herrscht strahlender Sonnenschein.

Donnerstag, 7. März 2002, 7.15 Uhr morgens
Nach etwas mehr als 1 Stunde Flug landen wir um 7.15 Uhr Ortszeit in London.
Dann geht es recht schnell. Nachdem das Gepäck abgeholt ist und die Mietwagenformalitäten erledigt sind, sitzen wir bereits um 8.00 Uhr in einem Auto, das die Besonderheit aufweist, über ein Lenkrad auf der rechten Seite, die Gangschaltung links vom Fahrer und selbst über Scheibenwischer in ungewohnt entgegengesetzter Richtung zu verfügen. 
Und das Aufregendste der Fahrt kommt ja noch. LINKS fahren. RECHTS überholen. LINKSrum in den Kreisel. RECHTS Gegenverkehr. 
Doch es ist einfacher als befürchtet. Birgit hat schnell eine Eselsbrücke für die Autobahn bereit: LLLLLLinks LLLLLLangsam .... RRRRRRechts RRRRRRasen. Und da sich auch alle anderen an die Regeln mit geänderten Vorzeichen halten, klappt es ... nicht nur auf der Autobahn, sondern auch später in der Stadt.
Auch das Wetter spielt erfreulicherweise mit. 
Wir sind zum dritten Mal in England und zum dritten Mal haben wir keinen Nebel und keinen Regen, allen anderslautenden Vorurteilen zum Trotz.

Donnerstag, 7. März 2002, 11.30 Uhr mittags
Unser Ziel ist erreicht.
Das NEC (National Exhibition Centre) im Osten von Birmingham ist von der Autobahn aus gut beschildert und ausgezeichnet zu erreichen.
Auch herrscht nicht der Verkehr, den wir erwartet hatten.
Allerdings dauerte die Fahrt - bedingt durch verschiedene Baustellen besonders im Dunstkreis von London - mit gut 3 Stunden etwas länger als geplant. 
Ein Stellplatz für den Wagen ist schnell gefunden und in 5 Minuten sind wir mit dem Shuttlebus am Haupteingang.
Andächtig - fast ehrfürchtig - betreten wir zum ersten Mal die heiligen Hallen der Hundewelt.
Was als erstes auffällt:
Hunde, wohin man schaut - was bei einer Hundeausstellung auch kaum anders zu erwarten war - insgesamt sind es über 20.000 ausgestellte Hunde an den vier Tagen, mehr als bei vergleichbaren deutschen Ausstellungen wie z.B. der Europa- oder Bundessiegerzuchtschau in Dortmund. 
Aber kann man überhaupt Crufts mit anderen Hundeausstellungen vergleichen ?

Irgendwie ist Crufts doch etwas Besonderes. 

Sind es die beschrifteten Boxen, in denen alle Ausstellungshunde ihren Platz finden,  sind es die Stewards, die mit lauter Stimme die Ergebnisse in den Ringen verkünden, sind es die unzähligen Verkaufsstände, an denen man alles Mögliche und Unmögliche rund um den Hund findet, ist es die schwirrende, aber nicht hektische Atmosphäre in den 5 luftigen, geräumigen Hallen ?

Auf jeden Fall ist es schwer, die zahllosen Eindrücke in Worte zu packen.

Was ist erwähnenswert ?
Die Vorführungen in den verschiedenen Events Ringen, wie z.B. das faszinierende Heelwork to Music oder die Agility- und Obediencedemonstrationen.
Die "Ausstellung in der Ausstellung" Discover Dogs, in der 180 verschiedene Rassen vorgestellt werden und mit jeweils mindestens einem Rassevertreter anwesend sind.
Die kleinen heiteren Episoden am Rande bei Begegnungen von kleinen und großen Hunden und sonstigen kleinen und großen Tieren. 
Der Richter im Schottenrock.
Und die Dame, die so dringend zur Toilette musste, dass sie ihren kleinen, offensichtlich gerade preisgekrönten Langhaardackel kurzerhand Birgit in die Hand drückte mit der Bitte "Please don't move."

Donnerstag, 7. März 2002, 19.30 Uhr abends
Wir haben unser Hotel erreicht.
Nachdem der lange Tag seinen Tribut gefordert hat und wir müde und etwas früher als geplant das Ausstellungsgelände verlassen haben, haben wir erstaunlich gut die Baustellen in der Innenstadt gemeistert und das Ibis-Hotel New Street am Ladywell Walk gefunden.
Im Parkhaus gegenüber konnten wir das Auto abstellen, um dann einen leichten Schrecken an der Rezeption zu erleben.
Die per Internet getätigte Buchung, die uns per Email sogar zu einer Reservierungsnummer verholfen hat, ist hier offensichtlich nicht bekannt.
Doch der Schrecken verfliegt schnell, als sich herausstellt, dass noch Zimmer frei sind, was ja zu Zeiten von Crufts nicht unbedingt zu erwarten war.
Das ordentliche Hotel in mittlerer Preiskategorie befindet sich direkt am Chinesenviertel von Birmingham und was liegt da näher, als den Empfehlungen von zu Hause zu folgen (Danke, ML) und chinesisch zu Abend zu essen. Es stellt sich als eine gute Wahl heraus, die offensichtlich auch andere Crufts-Besucher getroffen haben ... 

Donnerstag, 7. März 2002, 22.00 Uhr abends
Gute Nacht und noch ein kleines Betthupferl zum Schmunzeln: 
Die Servicekarte des Hotels. 
Was um Himmels willen ist eine Wichsermaschine (Link folgen ... Original-Servicekarte in lupenreinem Deutsch) ??

Freitag, 8. März 2002, 9.30 Uhr morgens
Bereits vor dem für 8.00 Uhr bestellten Weckruf waren wir hellwach.
Nach einer erfrischenden Dusche und einem guten kontinentalen Frühstücksbuffet (leider kein englisches Frühstück verfügbar) haben wir das Hotel bezahlt, das Auto abgeholt und uns in den dichten Verkehr, der hier wohl zum Samstagmorgen gehört wie die Minzsauce zum englischen Essen, eingereiht. Die Frühlingsrolle mit Pfefferminzsauce gestern beim Chinesen haben wir übrigens erst gar nicht bestellt.
Als mittlerweile "Ortskundige" finden wir schnell einen Parkplatz beim NEC, um den heutigen Tag mehr dem Shopping als den ausgestellten Hunden zu widmen. Wobei allerdings die heute ausgestellten Irish Wolfhounds auch nicht zu kurz kommen.

Freitag, 8. März 2002, 15.00 Uhr nachmittags
Viel zu schnell vergeht der Tag.
Vom gestrigen Tag wissen wir um die Verkehrsverhältnisse bei London und so nehmen wir die 200 Kilometer zum Flughafen bereits 4 Stunden vor dem letzten Einchecktermin in Angriff. 
Boardingtime für unseren Flug um 19.30 Uhr ist 19.00 Uhr.

Freitag, 8. März 2002, 18.00 Uhr abends
Noch 1 Stunde bis zum Einchecktermin und nur noch 20 Meilen bis zum Flughafen.
Obwohl wir noch tanken und den Wagen abgeben müssen, scheint alles so reibungslos klappen zu wollen wie bisher.

Freitag, 8. März 2002, 18.30 Uhr abends
Jetzt fahren wir schon 5 Meilen im Schritttempo und der Flughafen ist noch in unerreichbarer Ferne.
Was passiert eigentlich, wenn man einen Flug verpasst ?
Oder den Mietwagen nicht rechtzeitig zurückbringt ?

Freitag, 8. März 2002, 18.50 Uhr abends
So, zum Schluss hat sich der Stau etwas gelichtet und getankt haben wir auch schon.
Wir hätten das Auto auch ungetankt zurückbringen können, aber davon hat uns die nette Dame, die uns den Wagen ausgehändigt hatte, abgeraten: "Very expensive".

Freitag, 8. März 2002, 19.00 bis 19.30 Uhr abends
Den Wagen geparkt, im gestreckten Galopp zum Einchecken, um Punkt 19.00 Uhr eingecheckt (ehrlich, genau in dem Moment, wo wir den Schalter erreichen, kommt der letzte Aufruf für unseren Flug), anschließend noch den Autoschlüssel abgegeben und dankbar das Angebot angenommen, die Mietwagenunterlagen mit der Post zu erhalten, in die schier endlose Reihe vor der Kontrolle eingereiht, das Gate 31 gesucht, gerade noch rechtzeitig die Zubringerbahn zum Abflug gepackt und erst an Bord wieder Luft geholt, um den Start und die faszinierende Nachtlandschaft mit ihren so fernen  Lichtermustern zu genießen.

Freitag, 8. März 2002, 23.30 nachts
Nach einem reibungslosen Flug haben wir Hahn um 22.00 Uhr erreicht und sind nach knapp eineinhalbstündiger Autofahrt und nach insgesamt 43 Stunden wieder zuhause angekommen 
... müde, aber voll neuer Erfahrungen und Eindrücke.


Wermutstropfen zum Schluss: Durch Schusseligkeit oder Dummheit - ich weiß nicht, wie ich es nennen soll - habe ich die Speicherkarte mit ca. 25 digitalen Fotos des ersten Tages gelöscht, bevor ich sie abspeichern konnte - darunter alle Fotos der Old English Sheepdogs.

Und hier beginnen die Fotos.